EVH Kampagne

 

  • 2. Brief an die Stadtratsfraktionen

Halle/Saale, 2011-05-18

Sehr geehrte Damen & Herren,

wir hatten Sie bereits am 26. April 2011 über unser Anliegen informiert, die EVH GmbH zu einem schnellen Ausstieg aus dem Zukauf von Atomenergie zu bewegen. Anbei senden wir Ihnen den Antwortbrief unseres städtischen Energieversorgers sowie unsere Erwiderung als Kopie.

Die letzten Wahlen im Bundesgebiet zeigten, dass viele Bürger und Bürgerinnen der bisherigen Atomenergiepolitik der Regierung eine klare Absage erteilten und einen zügigen Ausstieg aus der Atomenergieversorgung befürworten. Nun sind die Abgeordneten auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene gefordert, den Willen der Bürger und Bürgerinnen aufzugreifen und in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Wir bleiben dabei, dass der Ausstieg aus dem Atomstrom auch lokal erfolgen muss. Im Moment bezieht die EVH GmbH ca. 8 % Atomstrom. Diese 8 % sind uns noch immer 8 % zu viel.

Der Blick auf die Stadtwerke in anderen Städten zeigt, dass ein lokaler Atomausstieg möglich ist. In Jena-Pößneck haben die Stadtwerke seit dem 1. April 2011 ihren bis dahin zugekauften Atomstromanteil durch den Einkauf erneuerbarer Energien ersetzt. In Münster hat der Stadtrat den Atomausstieg beschlossen und den Stadtwerken aufgetragen ein Versorgungskonzept ohne Atomstrombezug zu erstellen.

Wir fordern Sie als Stadtratsfraktion auf, in Halle tätig zu werden, um einen sofortigen Ausstieg aus dem Atomenergiezukauf der EVH GmbH zu erreichen. Gleichzeitig würden wir uns freuen, wenn Sie uns zeitnah mitteilen, wie ein sofortiger lokaler Atomausstieg Ihrer Meinung nach erfolgen könnte.

Mit freundlichen Grüßen

 

  • 2. Brief an die EVH

Halle, 2011-05-18

Sehr geehrter Herr Müller-Urlaub, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Krause,

herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 2. Mai 2011.

Wir freuen uns, dass auch Sie den Ausstieg aus der Atomenergieerzeugung als unverzichtbar ansehen. Im Moment beziehen Sie unseres Wissens nach noch ca. 8 % Atomstrom. Unser Hauptinteresse besteht darin, dass Sie auf diesen Anteil verzichten und stattdessen auf erneuerbare Energien umsatteln.

“Wir könnten rein theoretisch (…) den zusätzlich zu unserer Eigenerzeugung benötigten Strom komplett aus regenerativen Quellen kaufen. Dieser Strom ist jedoch teurer als der Mix, auf den wir derzeit zurückgreifen. Ihn unter Einkaufspreis zu verkaufen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, schrieben Sie. Sicher ist Ihnen die Nachricht bekannt, dass die Stadtwerke Jena-Pößneck sehr schnell nach dem Atomunfall von Fukushima auf den Zukauf von Atomstrom verzichtet haben – statt dessen wird der bisherige Atomstromanteil komplett durch regenerativ hergestellte Energie ersetzt. Die Mehrkosten werden für dieses Jahr und für das Jahr 2012 komplett von den Stadtwerken selbst übernommen. Das ist ein gutes Zeichen und sicher eine vorsorgende Maßnahme, um ökologisch bewusste Stromabnehmer am Ort zu halten bzw. Kunden und Kundinnen entgegenzukommen, die nach der Havarie von Fukushima Atomstrom ablehnen.

Die tatsächlichen Kosten und langfristigen Folgen der Erzeugung von Atomstrom liegen weitaus höher als dem Verbraucher bekannt gegeben wird. Die finanziellen Aufwendungen und ökologischen Folgeschäden beispielsweise für den Abbau und die Anreicherung von Uran, sowie die Kosten für Atommülltransporte und die Lagerung von Atommüll werden nicht berücksichtigt und letztlich mehrheitlich von den Bürgern und Bürgerinnen über die Steuereinnahmen des Bundes und der Länder getragen.

Greenpeace hat bereits im letzten Jahr in einer Studie nachgewiesen, dass in den vergangenen 60 Jahren 204 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln und Finanzhilfen des Bundes in die Erzeugung von Atomstrom geflossen sind. „Atomkraft ist nicht nur die gefährlichste, sondern auch die teuerste Form der Energieerzeugung“, meint Andree Böhling, einer der Energie- und Klimaexperten von Greenpeace. Würden sich die bisher auf die gesellschaftlichen Schultern der Steuerzahler umgelegten externen Belastungen für die tatsächliche Nutzung der Atomenergie direkt im Strompreis niederschlagen, müssten für eine kWh mehr als 2 Euro bezahlt werden. Das Argument den bisherigen Atomstromanteil nicht ersetzen zu können und momentan keinen Strom aus regenerativen Energien kaufen zu können, weil dies zu teuer und wirtschaftlich nicht darstellbar wäre, ist für uns eine nicht nachvollziehbare Begründung.

Wir, und mit uns viele Hallenser und Hallenserinnen, erwarten nicht, dass Sie Ihren Strom unter dem Einkaufspreis verkaufen. Diverse Ökostromanbieter sind derzeit mit vergleichsweise sehr günstigen Angeboten am Markt. Diese verkaufen sicherlich auch nicht unter dem Einkaufspreis.

Zusammenfassend möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir an einem Nachweis interessiert sind, dass die Einnahmen aus dem Produkt Halplus Strom Öko+ zu weiten Teilen und nachverfolgbar in den schnellstmöglichen Ausbau regenerativer Energieerzeugung vor Ort – Stichwort „dezentrale Erzeugungsanlagen“ – fließen. Gemeint sind vor allem Energiequellen wie Wind, Sonne und Wasser, nicht aber Biomasse. Sie sind schon auf einem guten Weg dorthin. Allein: Der bis jetzt stattfindende Zukauf von bis zu 8% Atomstrom ist für uns nicht akzeptabel.

Wir behalten uns vor eine mediale Kampagne mit der Forderung des schnellen Ausstiegs der EVH aus dem Atomstromzukauf vorzubereiten. Weiterhin werden wir Kontakt zu den Stadtratsfraktionen aufnehmen.

Mit freundlichen Grüßen


  • 1. Antwortschreiben der EVH

2011-05-02

Ihr Schreiben vom 26. April 2011

Sehr geehrte Damen und Herren der Anti-Atom-Initiative Halle / Saale,
vielen Dank für Ihr Schreiben.

Wir freuen uns, dass Sie das Engagement der EVH GmbH in Sachen Umwelt
würdigen. Zum Ausstieg aus dem Atomstrom – und hier stimmen wir mit
Ihnen überein – gibt es keine Alternative.

Zunehmend entwickelt sich dazu ein gesellschaftlicher Konsens, der uns
Mut macht, auf dem bereits beschrittenen Weg zum Umbau der
Erzeugerkapazitäten weiter zu gehen.

Letztendlich jedoch entscheiden unsere Kunden darüber, wie viel Strom
aus erneuerbaren Quellen wir verkaufen. Mit unserem Produkt Halplus
Strom Öko+ haben wir ein Angebot im Portfolio, das komplett aus
regenerativen Quellen gespeist wird. Jeder Kunde, der sich für Halplus
Strom Öko+ entscheidet, wird von uns auch damit beliefert. Und er
sorgt dafür, dass weitere Anlagen zur Erzeugung regenerativer Anlagen
entstehen.
Wir könnten rein theoretisch, soweit am Markt vorhanden, den
zusätzlich zu unserer Eigenerzeugung benötigten Strom komplett aus
regenerativen Quellen kaufen. Dieser Strom ist jedoch teurer als der
Mix, auf den wir derzeit zurückgreifen. Ihn unter Einkaufspreis zu
verkaufen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Wir tun mit dem Um- und Ausbau unserer Eigenerzeugung selbst sehr viel
dafür, dass in der näheren Zukunft genügend Strom aus anderen Quellen
zur Verfügung steht, so dass Deutschland auf Atomstrom verzichten
kann. Und das ist für uns kein langfristiges Ziel, sondern in den
nächsten Jahren erreichbar.

Gestatten Sie uns noch ein Wort zum Strommix: Die Angaben im Strommix,
die alle Energieversorger Deutschlands in diesem Jahr veröffentlichen,
beziehen sich auf das Jahr 2009. Welche Stromanteile in unserem Mix
vorhanden sind, erfahren wir stets bis Oktober der Folgejahres für das
Vorjahr von unseren Lieferanten gemäß der gesetzlichen Regelungen und
veröffentlichen dies pflichtgemäß jeweils im Dezember.

Mit freundlichen Grüßen

Berthold Müller-Urlaub    Prof. Dr. Matthias Krause

 

  • 1. Brief an die EVH

Halle, den 26.04.2011

Sehr geehrter Herr Müller-Urlaub, sehr geehrter Herr Krause,

sehr geehrte Damen und Herren des Aufsichtsrates der EVH,

Atomenergie ist nicht beherrschbar. Nicht nur in Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima, auch in deutschen Siede- und Druckwasserreaktoren kann es aufgrund von technischen Versagen, Erdbeben, Flugzeugabstürzen usw. zum Ausfall der Kühlsysteme, zur Überhitzung der Brennstäbe, bis hin zur Kernschmelze zum Gau oder zum Super-Gau kommen. Andere mögliche Katastrophenszenarien, wie ein Bersten des Druckbehälters sind dabei noch gar nicht berücksichtigt, sie gelten als das unbestimmbare Restrisiko.

Atomstrom wäre um ein Vielfaches teurer, als er an der Strombörse in Leipzig gehandelt wird, müssten die Atomkraftbetreiber die Kosten für die Sanierung des Urantagebaus und die Kosten der noch nicht geklärten Endlagerung von Brennstäben selbst bezahlen. Dann wäre die Atomenergie die teuerste Energieform der Welt, unbezahlbar!

Mit der Katastrophe in Fukushima wird es nun endlich Zeit, die Konsequenzen aus den lange bekannten Tatsachen zu ziehen. Wir stimmen den Vorsitzenden des DGB Michael Sommer zu, der auf der Antiatomkundgebung am 26.03.11 in Berlin erklärte: „Atomenergie ist keine Brückentechnologie, die Brücke ist mit Fukushima endgültig zusammengebrochen“. Deshalb fordern wir mit vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern der BRD den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie.

Mit großem Interesse haben wir Ihre Pressemitteilung vom 29.03.2011 gelesen, die Sie „Weg vom Atomstrom: EVH stellt bis 2012 ihre Erzeugungsstruktur um“ betitelt haben. Wir begrüßen sehr das angekündigte Engagement der EVH in Richtung regenerativer Energien und Einsatz von Kraftwärmekopplung, das Sie in Ihrer Presseerklärung aufgeführt haben. Der Ausbau von lokaler regenerativer Energie wie Sonnenenergie und Wasserkraft wie angekündigt freut uns dabei besonders.

Eine eindeutige Positionierung gegen den Einsatz von Atomstrom vermissen wir allerdings. Wir denken, dass der Ausstieg aus dem Atomstrom auch lokal erfolgen muss. Im Moment bezieht die EVH 8,5 % Atomstrom. Diese 8,5 % sind 8,5 % zuviel. Wir fordern Sie deshalb auf, den Anteil des Atomstroms schon jetzt durch regenerative Energien zu ersetzen!

Der Blick auf die Stadtwerke in anderen Städten zeigt, dass ein lokaler Atomausstieg möglich ist. In Jena haben die Stadtwerke seit dem 1. April 2011 ihren bis dahin zugekauften Atomstromanteil durch den Einkauf erneuerbarer Energien ersetzt. In Münster hat der Stadtrat den Atomausstieg von Münster beschlossen und die Stadtwerke Münster aufgefordert, ein Konzept ohne Atomstrom zu erstellen.

Wir erwarten Ihre baldige Antwort.

Mit antinuklearen Grüßen,

die Anti-Atom-Initiative Halle/ Saale

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